In diesem Blogpost erzählt unser Kollege Christian, wie für ihn das regelmäßige Arbeiten im Homeoffice klappt.

Christian Kufner bei der Arbeit

Wer kennt ihn nicht, den ach so geliebten Wohnungsmarkt in München und Umland… Einigermaßen ansprechende Wohnungen, in denen man sich umdrehen kann ohne bei der Wohnungstür ausparken zu müssen, sind für einen bezahlbaren Preis kaum zu finden.

Andererseits entwickelt sich München immer mehr zu einer IT-Hochburg, in der aktuellen Trends nachgegangen wird und zum Teil sogar neu gesetzt werden. Eine passende Wohnung in Arbeitsnähe zu finden ist also ein fast unlösbares Paradoxon.

Ähnlich waren auch meine Gedanken als mir ein Freund Anfang 2017 von seinem neuen Arbeitgeber erzählte. Die Scandio wäre ein sehr modernes Unternehmen, sehr (vorsicht buzzword) agil, aber trotz allem auch sehr familiär, aufgeschlossen und weniger am Lebenslauf, sondern viel mehr an dem Menschen dahinter interessiert. Er berichtete von blutigen Schrammen während des letzten Überfalls eines verfehdeten Teams mit Nerf Guns, dass er heute lieber von zu Hause aus arbeitet, weil er gestern dann doch zu lange bei Freunden war, von dem Projekt für einen größeren Kunden, wo er mal wieder die neueste Technik ausprobieren durfte, und, und, und.

Ach ja, und sie würden übrigens auch noch Leute suchen.

Man muss nun wissen, dass ich zu diesem Zeitpunkt 100 km von München entfernt wohnte und mir die anfangs beschriebene Situation auf dem Münchner Wohnungsmarkt sehr wohl bekannt war.

Christian und Christoph, die Geschäftsführer der Scandio, waren sich meiner Wohnsituation ebenfalls bewusst und machten im Bewerbungsgespräch auch keinen Hehl daraus, dass sie ihre Bedenken bezüglich des täglichen Pendels hatten. Auf der anderen Seite erwähnten sie, dass es nach der Einarbeitungszeit durchaus die Möglichkeit gäbe von zuhause aus zu arbeiten.

Auch wenn die Einarbeitungszeit dank täglichem Pendeln mit insgesamt 3 Stunden Fahrtzeit nicht ohne war, fand ich mich super in mein Team ein und so wurde aus mir ein waschechter Scandianer.

Aber wie sollte man nun die dynamische Arbeitsweise, die in unserem Team an der Tagesordnung ist, wie z.B. Pairprogramming, spontane Flashmobs, Scrummeetings oder die Möglichkeit einfach eine Frage (oder noch viel wichtiger einen blöden Kommentar!) in den Raum zu stellen auf die Heimarbeit transportieren, ohne dass man in den Trott verfällt, Einzelkämpfer zu werden und sich immer weiter vom Team abzuspalten?

Nun ja, man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Wir haben viel probiert und aller Anfang war schwer als das Mittel der Wahl die Videokonferenzfunktion von HipChat war. Bildstotterer, Audio- und Videolatenzen und die Tatsache, dass wir nicht Herr über die Server waren, ließen uns bald wieder davon abkehren. Wir probierten Zoom, integrierte Lösungen für Atom und noch vieles mehr, bevor wir bei unserer aktuellen Lösung ankamen. So hat sich unser momentaner Standard beim Remoting entwickelt: Es gibt einen zentralen Google Hangouts-Call, an dem das Büro und jeder Einzelne im Homeoffice teilnimmt. Dies ermöglicht es mit Leichtigkeit, am neuesten Gossip teilzuhaben, Hilfe bei Problemen zu suchen, generell Fragen in den Raum zu stellen - und ja, natürlich auch blöde Kommentare abzugeben. Dieses System funktioniert auch für Pair- und sogar Mobprogramming mit Hilfe einer Kombination aus rotierendem Screensharing und Commits in einem separaten Hangouts-Call.

Es gehört natürlich viel an Disziplin und Verantwortung dazu, ein Team mit 9 Leuten, verteilt auf 4 Standorte produktiv und motiviert zu halten. Disziplin in der Hinsicht, dass jeder ausreden darf und soll und Rücksicht genommen wird. Verantwortung von den Remoties, dass sie sich nicht ausgrenzen, sondern aktiv am Geschehen beteiligen, Fragen stellen, sich jemanden suchen, mit dem sie zusammen eine Aufgabe lösen und nicht zum Einzelkämpfer mutieren.

Ich durfte vor kurzem mein einjähriges Jubiläum bei der Scandio zelebrieren. An meiner Wohnsituation hat sich bis jetzt noch nichts geändert. Und obwohl ich die meiste Zeit von zu Hause aus arbeite, fühle ich mich als vollintegrierter Teil meines Teams und auch der Scandio. Man muss nicht immer in München wohnen um an den neusten Techniktrends arbeiten zu können!