“Verteiltes Arbeiten”, “remote”, “New Work”, “digital workplace”… Noch nie wurden diese Begriffe wohl so inflationär benutzt wie in den letzten Monaten. Und insgeheim kann es jeder spüren, die Arbeitswelt wie wir sie kennen, steht vor einem kulturellen Wandel. Manche sprechen sogar von einer Revolution - oder befinden wir uns vielleicht schon mittendrin? Wir gehen der Frage auf den Grund, wie Corona die Arbeitswelt langfristig verändern wird und welche Rolle New Work dabei spielt.

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Home Office
So entspannt kann Home Office aussehen: remote Setup von unserem Kollegen Johannes

Ausgelöst durch eine globale Pandemie, finden wir uns plötzlich in einer neuen Realität wieder, in der mittlerweile keine klare Trennung von Arbeit und Privatem mehr existiert. Für die Einen das lang erstrebte Ideal, für die Anderen ein Umstand mit dem man nun erstmal leben muss. Selbst wenn wir gerade nur im Krisenmodus funktionieren, wird doch nach und nach ersichtlich, dass es nach Corona ein “new normal” geben wird. Kein Weg zurück. Unternehmen stehen gerade vor großen Herausforderungen, doch letzten Endes bietet sich damit auch die Chance, unausweichliche Veränderungen in unserem Arbeitsleben zu beschleunigen.

Klar ist, dass jeder Mitarbeiter Zeit braucht, um in dieser neuen Arbeitsweise anzukommen. Es herrschen eine Menge Vorurteile und Traumvorstellungen, wenn man vom verteilten Arbeiten spricht. Den ganzen Tag vom Bett aus arbeiten, Jogginghosen, schreiende Kinder im Hintergrund, Ablenkungen an jeder Ecke… Doch wie sieht die Realität aus? Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Nicht jeder kann mit der neu gewonnen Freiheit umgehen, die das Arbeiten von zu Hause bzw. vom derzeitigen Aufenthaltsort aus, mit sich bringt. Denn verteiltes Arbeiten bedeutet mehr als nur “remote” zu arbeiten. Verteiltes Arbeiten heißt vor allem Arbeiten mit räumlicher Distanz, und das kann sowohl vom heimischen Küchentisch aus sein, sowie vor der Traumstrandkulisse in Thailand (solange gutes WLAN verfügbar ist ;)). Sich selbst neu zu strukturieren bedeutet vor allem auch mehr Selbstverantwortung. Letzten Endes profitieren von dieser Flexibilität und Selbstbestimmung nicht nur die Mitarbeiter, auch den Unternehmen steht durch den Wegfall der örtlichen Gebundenheit ein größerer “Pool” an qualifizierten Arbeitskräften zur Verfügung.

New Work

Um diesen Traum wahr werden zu lassen, bedarf es einer Bereitschaft, sich neu zu erfinden und starre Strukturen aufzubrechen. New Work ist der Inbegriff für diese Transformation. Die zentralen Werte hinter New Work sind Selbstbestimmung, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft. Im Vordergrund stehen die persönliche Entfaltung der Mitarbeiter, sowie der Wunsch nach Sinnstiftung. Denn nur zufriedene Mitarbeiter, deren Stärken ausgebaut werden und auf deren Bedürfnisse eingegangen wird, identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber. Wichtig hierbei ist die GEMEINSAME Reflexion und ein ständiges Weiterentwickeln von Prozessen und Strukturen. Führungskräfte sowie Mitarbeiter sollten sich die Frage stellen “WIE werden wir zukünftig arbeiten?” und gemeinsam eine neue Arbeitsmentalität schaffen.

Viel (Konflikt-)Potenzial?

In der Theorie klingt das natürlich alles wunderbar, jeder kann arbeiten wo er will (evtl. auch wann er will?), es bedarf keiner großen Büroflächen mehr und die Effizienz erreicht ein nie dagewesenes Level.

Arbeitsplatz

Doch New Work ist kein starres Programm, keine “one size fits all”-Lösung. Wichtig ist hierbei einen Weg zu finden, mit dem sich jeder wohl fühlt. Wir alle kennen sie - die Kollegen, die erst morgens beim kurzen Treffen in der Kaffeeküche so richtig aufblühen und denen das gemeinsame Miteinander im Büro das gewisse Extra an Motivation gibt. Es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter sich entfremden und aneinander vorbei arbeiten. Besonders in Unternehmen, bei denen Teamwork einen hohen Stellenwert hat, kann verteiltes Arbeiten ein großes Konfliktpotenzial mit sich bringen. Um dem vorzubeugen ist es wichtig, reale Distanz mit virtueller Nähe auszugleichen, z.B. mit regelmäßigen kurzen Feedback Meetings, spontanen Calls, einer “virtuellen Kaffeeküche” oder auch einem privaten Austausch über Kanäle wie Slack oder WhatsApp. So frei und unabhängig verteiltes Arbeiten auch erscheinen mag, bleibt es doch unerlässlich, einen geeigneten Rahmen für das gemeinsame Arbeiten zu schaffen und ein offenes Ohr für die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu haben.

Meeting mit Kollegen
Scandio-Meeting mit Kollegen im Büro und aus dem Home Office

Der Scandio-Hybrid

Auch wir bei der Scandio wurden durch Corona aus unserem gewohnten Alltag gerissen und mussten uns von heute auf morgen mit einer neuen Realität zurechtfinden. Wie gut wir das gemeistert haben und welche Tools und Tipps uns dabei geholfen haben, könnt ihr hier nachlesen. Auch wenn sich langsam vieles wieder in Richtung “Normalität” entwickelt, ist uns dennoch bewusst, dass die letzten Monate einschneidende Veränderungen mit sich gebracht haben.

Inzwischen darf bei uns wieder im Büro gearbeitet werden, doch die Reaktionen sind eher verhalten. Langsam, seeehr langsam füllen sich die Räume und Flure wieder mit Leben. Zu Hause ist es eben einfach gemütlicher. Vielleicht sind viele auch einfach noch vorsichtig. Auch wenn der Großteil mehr oder weniger ins Home Office gezwungen wurde, hat man sich eben mit der Zeit an den neuen Status Quo gewöhnt. Nach einigen Wochen fällt auf, man sieht täglich die selben Gesichter im Büro. Es scheint, als hätten sich zwei Lager gebildet: “Team remote” und “Team office”. Nach einer kleinen internen Umfrage werden die Vorzüge der jeweiligen Arbeitsweise deutlich: Wer von zu Hause aus arbeitet, fühlt sich dort meist ungestörter und kann sich besser auf seine Arbeit konzentrieren, ganz ohne Unterbrechungen von Kollegen, die mal eben den Kopf durch die Tür stecken. Die flexible Zeiteinteilung und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind auch ganz vorne mit dabei. Die Büro-Fans hingegen genießen die Vorzüge der besseren Ausstattung (Bürostuhl, Monitor, Kaffeemaschine) und lieben das Socializing in der Mittagspause. Und gerade diese Kollegen sehen den geregelten Tagesablauf sowie die klare Trennung von Job und Freizeit als großen Vorteil.

Da wir bei der Scandio Teamwork und Miteinander leben und lieben, aber auch wissen, dass jeder individuelle Bedürfnisse hat und ein gewisses Maß an Freiheit braucht, gibt es für uns langfristig nur eine Lösung: Der Scandio-Hybrid! In Zukunft hoffen wir, einen guten Weg zwischen Remote- und Präsenzarbeit zu finden und somit jedem selbst zu überlassen, wie er seine Arbeitszeit am effektivsten gestaltet. Corona stellte uns vor große Herausforderungen, und wir sagen: challenge accepted! New Work umzusetzen heißt für uns, Veränderungen wahr zu nehmen, darauf zu reagieren und Umdenken zu fördern. Nur so können wir sicherstellen, dass jeder sein Potenzial voll entfaltet und wir auch in Zukunft alle Anforderungen meistern werden.


Wer noch mehr Infos zu New Work und zum verteilten Arbeiten möchte, der kann sich hier den Vortrag von unserem Geschäftsführer Christian Koch beim letzten Team Up Forum ansehen.